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Die Ferienzeit geht zu Ende, die Familien kommen nach Hause, die Reisepreise sinken. Jetzt ist die Gelegenheit für alle Ferien-unabhängigen, die knapp bemessenen Urlaubstage bestmöglich zu nutzen und dem nahenden Herbst zu entfliehen. Für Singles allerdings kann die Urlaubszeit – nach Weihnachten und dem Valentinstag – eine der schwierigsten Zeiten des Jahres sein. Glücklich der Single, der sich im Freundeskreis in Gesellschaft anderer Singles befindet. Aber was, wenn alle Freunde sich gerade in der Sommerzeit in einer festen Beziehung befinden, keinen Urlaub nehmen können, oder auch einfach kurzfristig vor einem geplanten Urlaub abspringen? Bleibt dann nur noch der ‚Urlaub auf Balkonien‘?
Selbstverständlich verbringen wir unsere Freizeit am Liebsten mit Freunden oder der Familie. Erst recht gilt das natürlich auf Reisen, wo so viele neue Eindrücke und Erlebnisse warten, die man gerne mit anderen Menschen teilen möchte und die dadurch später zu schönen gemeinsamen Erinnerungen werden. Wenn nun aber gerade kein Lebensabschnittspartner zur Hand ist, und alle Freunde romantische Zweisamkeit mit ihren derzeitigen Partner suchen, ist das dennoch kein Grund, auf eine Reise zu verzichten. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie man als Single das Beste aus seinem Urlaub machen kann – dazu gehört nicht, aufgeschobene Arzttermine nachzuholen oder den Kleiderschrank auszusortieren.

1) Eine Single- oder Gruppenreise machen

Der teure Club-Urlaub ist nur eine Alternative – es gibt auch Gruppenreisen, die häufig mit sportlichen oder anderen Aktivitäten kombiniert sind. So teilt die Reisegruppe schon mal ein gemeinsames Interesse, man ist unter Gleichgesinnten; Im besten Falle findet man hier Freunde fürs Leben, oder zumindest Reisepartner für die nächsten Urlaube. Wer den Urlaub hauptsächlich für die Partnersuche nutzen will, der kann auch eine Single-Reise in Betracht ziehen; hier gibt es zum Beispiel die Anbieter sunwave.de und adamare. Unbedingt sollte man sich vorab über den Anbieter informieren, denn nicht alle sorgen dafür, dass in den Reisegruppen die Altersgruppe homogen ist und das Geschlechterverhältnis ausgeglichen. Daneben gibt es auch noch die Möglichkeit, einfach auf eigene Faust eine Pauschalreise oder ein Hotelzimmer zu buchen – denn viele Hotels bieten inzwischen Doppelzimmer zur Alleinnutzung ohne Einzelzimmerzuschlag an. Die Gelegenheit, andere kennenzulernen, ergibt sich meist von selbst – aber man hat es selbst in der Hand, ob einem gerade der Sinn nach Flirten steht, oder man doch lieber in Ruhe ein gutes Buch liest.

2) Einen Reisepartner finden

Das Reiseziel steht schon fest, der Flug ist möglicherweise schon gebucht – aber ein Mitreisender fehlt, oder ist kurzfristig abgesprungen? Das ist kein Einzelfall, und natürlich gibt es dafür auch schon Internetseiten, Communities und Foren, über die man andere Menschen in der selben Situation finden kann, zum Beispiel urlaubspartner.net, joinmytrip.de oder globalzoo.de. Gleichzeitig kann man sich in solchen Reise-Communities auch noch gute Tipps und Anregungen zum Reiseziel holen. Oder aber man lässt sich gleich vor Ort das Land, die Kultur und die Einheimischen von eben einem solchen erklären: Dafür bietet die Plattform couchsurfing.org die Möglichkeit. Eigentlich dafür gedacht, Reisenden eine günstige Übernachtungsmöglichkeiten auf dem heimischen Sofa oder Gästebett anzubieten, kann man die vielseitige Community aber auch zu anderen Zwecken nutzen: Zum Beispiel um über Ortsgruppen andere Reise-willige aus der Umgebung kennenzulernen, oder um sich im Reiseland mit Einheimischen zu verabreden – zum Kaffee, zum Joggen, fürs Kino, zum Shoppen, Sightseeing oder Clubbing – die Ortsansässigen kennen die Insider-Tipps, die man in der Reiseliteratur vergeblich sucht.
3) Alleine reisen

Warum denn nicht? Alleine verreisen ist nicht gleichbedeutend mit einsam sein – das ist lediglich eines der Stigmata, die unsere Gesellschaft dem gesamten Single-Dasein verleiht. In der heutigen Zeit, in der die Liste der Facebook-Kontakte leichtfertig gleichgesetzt wird mit der Größe des Freundeskreises, wird man als Alleinreisender häufig belächelt, und heimlich oder auch offen bemitleidet. Dabei bietet das One-(wo)man-Reisen die besten Voraussetzungen für Begegnungen und Kennenlernen, zu denen es sonst wahrscheinlich nie gekommen wäre, denn alleine kann man flexibel und spontan sein. Man muss nur wissen, wie man es angeht: Low Budget-Reisen sind dafür besonders geeignet, denn auf Camping-Plätzen, in Hostels und Jugendherbergen gibt es meistens einen Aufenthaltsraum oder Gemeinschaftsbereich, in dem sich Begegnungen von selbst ergeben. Jugendherbergen sind übrigens nicht nur für junge Leute da, sondern können von Menschen jeden Alters genutzt werden und bieten teilweise auch Doppelzimmer oder Familienzimmer an. Voraussetzung für die Übernachtung in deutschen Jugendherbergen ist allerdings eine Mitgliedskarte des Deutschen Jugendherbergswerkes, die es für einen erschwinglichen Jahresbeitrag im Internet beantragen kann. Im Ausland ist für die Übernachtung in einem Hostel nicht immer eine Mitgliedschaft in ähnlichen Verbänden nötig – am besten informiert man sich vorab über mögliche Unterkünfte im Reiseland. Eine Übersicht kann man sich gut auf hostelworld.com verschaffen. Pensionen und Gästehäuser, die im Ausland teilweise verbreiteter sind als hierzulande, besitzen ebenfalls meist eine persönliche, familiäre Atmosphäre und damit günstigere Bedingungen für Kennenlernen als anonyme Hotelketten.

Nicht zuletzt kann eine Reise auch die Chance sein, den Kopf frei zu bekommen, den Alltag zu reflektieren, Dinge zu hinterfragen, Entscheidungen zu treffen und Ziele festzustecken – in bestimmten Lebenssituationen kann es jedem gut tun, alleine wegzufahren. Ein prominentes Beispiel dafür ist Hape Kerkeling, der sich 2001 dafür entschied, zu Fuß den Jakobsweg nach Santiago de Compostela zu pilgern – allein. Es hat ihm nicht geschadet, sondern hat sich als wertvolle Erfahrung erwiesen. Alleine hat man die Möglichkeit, die Dinge so anzugehen, wie man es gerne möchte, und zwar genau in der eigenen Geschwindigkeit – so kann die Entschleunigung tatsächlich gelingen, die den Urlaub erst wirklich erholsam macht.

Fazit: Man sollte das Alleine-Reisen nicht als Notlösung sehen, sondern vielmehr als Gelegenheit.

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