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„Ich habe einfach nicht mehr die Zeit“, „Die ganze Organisation ist mir viel zu anstrengend, ich möchte im Urlaub einfach Nichtstun“ oder auch „Mit Kindern geht das halt einfach nicht mehr“ – wer hat diese Sätze nicht schon mal gehört? (Oder sogar selbst gesagt?)
Die Kernaussage lautet stets: Reisen wird immer schwieriger und komplizierter, je älter du wirst. Oder: Es gibt höhere Hürden zu überwinden. Aber das sind lediglich Hürden, die wir uns selbst aufstellen.
Allerdings: Wie fast alles, kann sich auch deine Einstellung zum Reisen verändern, wenn du älter wirst. Schließlich entwickeln wir uns alle weiter! Wir geben Hobbys auf, wenn wir nicht mehr die Zeit dafür finden; wir tauschen unseren alten Job gegen einen besseren (oder zumindest besser bezahlten), wir suchen nach der perfekten Wohnung, dem perfekten Styling, dem perfekten Partner. Darüber verändern sich unsere Bedürfnisse und Prioritäten.

Und dass sich das auch auf deine Reisen auswirken kann, das ist das Ergebnis eines kleinen Selbstexperiments:
Ich habe versucht, mein Reiseverhalten, meine Reisevorlieben und meine Einstellung zum Reisen zu analysieren, und zwar über den Zeitraum von fünf Jahren. In diesem Zeitraum war ich erst Studentin und später Vollzeit-Arbeitnehmerin.

(1) Reiseziel

Student: Je exotischer, desto wow! Papua-Neu-Ginuea? Mongolei? Nordkap? Kasachstan? Immer her damit!
Berufstätig: Möglichst zeitsparend! Der Flug darf nicht zu lang sein, mehr als einmal Umsteigen ist schon gar nicht drin. Keine langen Transfers vom Flughafen oder überhaupt.

(2) Gepäck

Student: Bikini & Zahnbürste – viel mehr brauch‘ ich nicht! Immer so leicht wie möglich – was man nicht mit hat, kann man sich unterwegs irgendwo besorgen.
Berufstätig: Möglichst für jeden Notfall vorbereitet sein – nicht, dass man unnötig viel Urlaubszeit in Geschäften oder Apotheken vergeuden muss.

(3) Reisedauer

Student: Och – ich brauch eben so lang, wie ich brauch! Und wo’s mir gerade gefällt, da bleibe ich spontan einfach noch ein bisschen länger.
Berufstätig: 2 Wochen max., mehr Urlaub kann ich sowieso nicht am Stück nehmen. Und aus dieser Zeit muss unter allen Umständen das bestmögliche rausgeholt werden!

(4) Reisegeschwindigkeit

Student: Ich chille! Kommste heut nicht, kommste morgen…
Berufstätig: Wenn der Bus in Mittelamerika oder Thailand mal wieder 2,5 Stunden Verspätung hat, krieg‘ ich einfach die Krätze!

(5) Geld

Student: Ich habe zwar nicht viel, aber Geld muss fließen!
Berufstätig: Ich arbeite hart für mein Geld, da will ich auch möglichst viel dafür bekommen!

(6) Reisesicherheit

Student: Andere haben’s ja auch schon überlebt.
Berufstätig: Wenn mir mein Iphone, Ipad oder die Kamera geklaut wird, ist der Urlaub für mich gelaufen.

(7) Reiseaktivitäten

Student: Tagsüber: surfen, hiken, klettern, tauchen; nachts: Party machen.
Berufstätig: Tagsüber: liegen (am Strand); nachts: liegen (im Bett).

(8) Unterkunft

Student: Hat’s eine Matratze und eine Dusche? Dann nehm‘ ich’s!
Berufstätig: Minimun 2 Sterne, und kakerlaken- und gestankfrei muss es schon sein.

(9) Reiseplanung

Student: Reisewas? Das Wort kenn‘ ich nicht. Just go with the flow…
Berufstätig: To Do Liste:
– 6 Monate vorher: Urlaub einreichen, Flüge buchen,  gffls. Visum beantragen, Impfungen auffrischen, Pass verlängern
– 4 Monate vorher: genaue Reiseroute festlegen, gffls. Mietwagen buchen
– bis 3 Monate vorher: Unterkünfte und Ausflüge/Aktivitäten/Touren buchen
– bis 1 Woche vorher: Vorfreude!
– bis 1 Tag vorher: Packen & Panik schieben, ob man auch nichts vergessen hat.

– während des Urlaubs: Sich um nichts mehr kümmern müssen!

(10) Fotos & Souvenirs

Student: Hm. So gut wie keine Fotos gemacht, nur wenige Souvenirs gekauft – war ich eigentlich überhaupt da? Dafür habe ich viele absurde Geschichten erlebt, die ich heute noch gern Freunden erzähle und die ich auch noch bildlich vor Augen habe. Nur in meinem Kopf.
Berufstätig: 5.000.000 Fotos geknipst, um nur ja jeden Moment festzuhalten – damit man den Rest des Jahres noch davon zehren kann. Nach der Rückkehr wurden die Fotos auf den Rechner kopiert und seither nie wieder angeschaut.

FAZIT:
Wir sollten alle offen bleiben für Neues! Veränderung passiert.

Oftmals hängt es auch von den zwei entscheidenen Faktoren „Zeit“ und „Geld“ ab, welche Art von Reise gerade die richtige für einen ist. Warum denn nicht mal in zwei Wochen mit einer geführten Reisegruppe durch Indien? So bekommt man doch immerhin in kurzer Zeit viel zu sehen, ohne sich mit der Organisation auch nur beschäftigen zu müssen!

Und Menschen haben unterschiedliche Prioritäten. Kein Grund, darüber die Nase zur rümpfen!

 

Dieser Artikel ist Teil der Blogparade der Strandgazette zum Thema „Pauschaltourist oder individuell in den Urlaub?“. Ich freue mich auf viele weitere interessante Beiträge – und auf Eure Meinung! 

Habt Ihr auch schon festgestellt, dass sich Eure Reisewünsche, -ziele oder -art verändern? Oder festgestellt, dass Freunde anders reisen, sobald sie Kinder haben? Schreibt mir, damit ich mich mit dem Thema nicht mehr so allein fühle! Hinterlasst einen Kommentar oder schreibt mir auf Twitter, Facebook oder eine Mail an travelphilia {at} gmail {dot} com. Travel well!

3 Kommentare

  1. Pinkback: Pauschaltourist oder individuell in den Urlaub? (Blogparade) | Die Strandgazette

  2. Hallo,
    der Ansatz zu dieser Blogparade gefällt mir, die Einstellung vom Studenten und Arbeiter gegenüber zu stellen. Das stimmt, dass sich die Einstellung zum Urlaub im Laufe des Lebens immer mal wieder ändert.
    Viele Grüße
    Claudia

  3. Ich kann verstehen, dass man sich verändert, aber bei dem Artikel fällt mir nur ein Wort ein: Schade! Nur, weil man weniger Zeit hat und andere Ansprüche stellt, hat man doch nicht automatisch Lust, den ganzen Tag nur am Strand zu liegen?! Ich kenne viele Berufstätige, die im Urlaub, egal, ob nah oder fern, viel entdecken und erleben.

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